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Forschungs­projekt „Demokratisch legitimierte Fiskalpolitik in Zeiten des Wandels“

Wie lässt sich die staatliche Einnahmen- und Ausgabenpolitik demokratisch legitimieren und zukunftssicher gestalten? Mit dieser zentralen Frage beschäftigt sich das von der VolkswagenStiftung geförderte Forschungs­projekt „Demokratisch legitimierte Fiskalpolitik in Zeiten des Wandels“.

Staats­finanzen spielen eine entscheidende Rolle in Zeiten tiefgreifender gesellschaft­licher Veränderungen. Allein in den kommenden Jahren sollen 500 Milliarden Euro in die deutsche Infrastruktur investiert werden. Doch diese Pläne stoßen auch auf Kritik: Die hohen Ausgaben garanti­eren nicht den erhofften wirtschaft­lichen Aufschwung. Wie eine gezielte Fiskalpolitik wirtschaft­liche Stabilität sichern kann, ist die Kernfrage des neuen Forschungs­vorhabens zum Thema „Demokratisch legitimierte Fiskalpolitik in Zeiten des Wandels“. Neben der Universität Mannheim sind auch die Universität Jena, das Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) und das Dezernat Zukunft (DZ) beteiligt. Ziel des Projekts ist es, eine trag­fähige und vertrauenswürdige Fiskalpolitik zu entwickeln, die den komplexen Regelungs­rahmen vereinfacht. Dafür werden wirtschafts-, rechts- und geschichts­wissenschaft­liche Perspektiven zusammengeführt.

Der Beitrag von Prof. Dr. Michael Müller, Inhaber des Lehr­stuhls für Öffentliches Recht, Europäisches Wirtschafts­recht und Rechts­philosophie an der Universität Mannheim, konzentriert sich auf die rechtlichen Rahmenbedingungen, die das Grundgesetz und das EU-Recht für die Staats­verschuldung in Deutschland vorgeben. Wie stark begrenzen das Demokratieprinzip und europäische Vorschriften die fiskalische Handlungs­fähigkeit Deutschlands? Und wie lässt sich Vertrauen in Großinvestitionen, etwa in die Bundes­wehr, die Deutsche Bahn und das Bildungs­system, stärken?

Workshop „Ökonomische Regeln – und ihre Grenzen“

Workshop im Rahmen des Projekts: „Demokratisch legitimierte Fiskalpolitik in Zeiten des Wandels“

Humboldt-Universität 10./11.3.2026

Der interdisziplinäre Workshop „Ökonomische Regeln – und ihre Grenzen“ ist die Auftakt­veranstaltung für das Projekt „Democratic Fiscal Policy in Trans­formational Times“, das seit 2025 von der von der Volkswagen Stiftung gefördert wird. In drei Panels werden wirtschaft­liche Regeln und ihre Grenzzonen aus historischer, ökonomischer und rechtlicher Perspektive reflektiert.

Im 20. und 21. Jahrhundert hat die Ökonomie einen herausragenden Platz in den Bedingungen und Ausgestaltungen von Staatlichkeit eingenommen. Durch Stabilitäts- und Wachstumspolitik korrigieren Regierungen nicht nur numerische Details der kapitalistischen Ordnung, sondern formulieren Grundlagen der Demokratie aus. In Gesetzen und Richtlinien werden wirtschaft­liche Prinzipien verankert, die sowohl zur Stabilisierung des Staates als auch zum Wohlstand der Gesellschaft beitragen sollen. Als solche sind sie aber zutiefst politisch, kontingent und historisch geprägt. Ökonomische Regeln sind nicht nur eng verflochten mit der Geschichte und Gegenwart von Demokratien, sondern auch ein Instrument autoritärer Regime und Diktaturen. Durch den Bezug auf Regeln gewinnt das Ökonomische an Legitimität, das Arbiträre wirtschaft­licher Entwicklungen erscheint damit als eingedämmt. Angesichts von Krisenerfahrungen, Ausnahmezuständen, Kriegen oder geopolitischen Verschiebungen wurden und werden solche Regeln aber immer wieder außer Kraft gesetzt, infrage gestellt, gebrochen oder neu verhandelt. Diese Situation zeigt sich auch in der Gegenwart.

In drei Panels werden wirtschaft­liche Regeln und ihre Grenzzonen aus historischer, ökonomischer und rechtlicher Perspektive reflektiert. Wie definieren und erforschen die Bedeutung von „Regeln“ im Bereich des Ökonomischen im Verhältnis zu anderen Begriffen wie „Normen“ oder „Gesetzen“, wie formen sie das Politische? Wie wurden und werden wirtschaft­liche Regeln in verschiedenen historischen, rechtlichen, ökonomischen und politischen Kontexten praktiziert und umgesetzt? Und welche Rolle spielen Verregelungen oder Entregelungen in Krisen- oder Ausnahmesituationen? Wie verweisen Regeln also auch selbst auf die Grenzen ihre Geltung?

Programm

Tag 1: Begrüßung, Jura Panel, Networking Coffee, Keynote 
Ort: Lichthof (Ost), Hauptgebäude, Unter den Linden 6, 10117 Berlin

15:15 – 15:45: Kurze Begrüßung und Einleitung 
Stefanie Middendorf & Alec Walker

15:45 – 17:15: Die rechtliche Perspektive – Ausnahmezustand & Alternativen 
Philipp Heimberger, Anna-Bettina Kaiser, Simon Kempny, Henrik Scheller & Michael Müller (Moderation)

17:15 – 17:45: Networking Coffee & Snacks

18:00 – 19:30: Keynote von Philippa Sigl-Glöckner zu Schuldenregeln der Gegenwart mit anschließendem Podiumsgespräch

Tag 2: Geschichte & VWL 
Ort: Raum 2249a, Hauptgebäude, Unter den Linden 6, 10117 Berlin

9:30 – 11:00: Die historische Perspektive – Krisen & Wahrnehmung 
Marc Buggeln, Eva Maria Gajek, Philipp Müller & Alexander Nützenadel (Moderation)

11:00 – 11:30: Kaffee & Snacks

11:30 – 13:00: Die politik­ökonomische Perspektive – Fiskalregeln im Stresstest 
Jens Boysen-Hogrefe, Florian Schuster-Johnson, Oliver Weber & Mark Schieritz (Moderation)

Kontakt

alec.james.walkermail-hu-berlin.de

Workshop „Limits on Limiting Democracy“

Mannheim, 2./3.6.2025
Barockschloss Mannheim, Raum EO 145

Democracy has an ambivalent reputation: Plato described it as the most free and the most unstable of governments. Historically, both in the 20th century and in the longer sweep, democracies have collapsed not just from oligarchic excess or aggression from without, but also from instability and, perhaps, democratic excess within. For this (and for other) reasons, there exists a philosophical & legal case to limit democracy. But how far can we limit democracy before it loses its democratic nature? And how can we make sure that decisions made in the past remain open to revision and adaptation in the future? What are the limits of limiting democracy?

In trans­formational times, these questions become more relevant than ever. Climate change, (trade) wars and demographic change put pressure on fiscal balances and inflation. Both in fiscal and monetary policy, the intellectual and institutional architectures built over the last generation – often in pursuit of depoliticisation and constitutionalisation of political questions – are under pressure and already evolving. Where are the limits of limiting democracy in (economic) practice? Where should they lie in the areas of fiscal and monetary policy?

Organisers:
Professor Dr Michael W. Müller, Chair for Public Law, European Economic Law, and Legal Philosophy, University of Mannheim
Dr Max Krahé, Research Director, Dezernat Zukunft – Institute for Macrofinance, Berlin

Programme (PDF, 642 kB)

Please register until May 15th: ls.muellermail-uni-mannheim.de

Aktuelle Stellungnahmen

Ausgewählte Vorträge

Ausgewählte Publikationen

  • Europäische Finanz­souveränität, in: Till Patrick Holterhus/Ferdinand Weber (Hrsg.), Handbuch Europäische Souveränität, 2024, S. 221 – 246.
  • Öffentliches und Privates Geld- und Finanz­markt­recht, in: Wolfgang Kahl/Markus Ludwigs (Hrsg.), Handbuch des Verwaltungs­rechts, Band VI, 2024, S. 901 – 947 (gem. mit Ann-Katrin Kaufhold).
  • Wer bezahlt die Kindertagesbetreuung? – Einblicke in die Finanzierungs­strukturen von Bund, Ländern und Kommunen, NdsVBl 2024, S. 205 – 211.
  • Grundrechts­schutz bei konditionalisierten Zuwendungen – Ansätze einer Strukturbildung ausgehend von BVerwG, Urteil v. 6. 4. 2022 – 8 C 9.21, JZ 2023, S. 39 – 45.
  • Reformpotential bei der Konjunkturkomponente der verfassungs­rechtlichen Schuldenbremse, DÖV 2022, S. 349 – 356 (gem. mit Stefan Korioth)
  • Rechts­schutz gegen hoheitliche Maßnahmen der Finanz­markt­stabilisierung – Er­kenntnisse aus der gerichtlichen Aufarbeitung der globalen Finanz­krise, JZ 2020, S. 766 – 775
  • Gestaltungs­möglichkeiten bei der Finanzierung der Kindertages­förderung, NVwZ 2019, S. 1065 – 1070 (gem. mit Stefan Korioth)
  • Der Ausschluss von der staatlichen Finanzierung als milderes Mittel zum Parteiverbot – Zur Systematik von Art. 21 n. F. GG, DVBl 2018, S. 1035 – 1042
  • Haushalts­gesetz und Haushalts­begleitgesetz, JöFin 2017, S. 401 – 414.
  • Einstands- oder Ausfallhaftung der Länder bei Zahlungs­un­fähigkeit von Kommunen?, VerwArch 2016, S. 380 – 417 (gem. mit Stefan Korioth)